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akuter arterieller Verschluss

Die Prüfungs-Fragen zum akuten arteriellen Verschluss werden anhand einer Krankengeschichte gestellt:

Sie werden dringlich zu einem 57 jähren Patienten gerufen:

Zur Anamnese:

Seit fast 2 Stunden heftigste Schmerzen im rechten Bein, die "urplötzlich" aus guter subjektiver Gesundheit begonnen haben. Bekannt ist eine medikamentös gut eingestellte Hypertonie und Hypercholesterinämie. Vor 8 Jahren Rauchen eingestellt, wegen "gelegentlicher Herzbeschwerden"

Untersuchungsbefund: Patient in stabilem Kreislauf: RR 160/100

Das rechte Bein ist ab dem Knie kalt und blass. Bei Palpation des linken Beines können die Fuß-Puls sowie der Puls der A. poplitea (Kniekehle) sicher getastet werden. Am rechten schmerzenden und kalten Bein sind diese Pulse nicht zu ertasten.

Welche Diagnose stellen Sie?

Akuter arterieller Verschluss der A. femoralis

Zur Diagnose "arterieller Verschluss" führen Symptome die man als die sechs "p" ("6 P")   bezeichnet. Mehrere davon sind in der Krankengeschichte bereits erwähnt:

  • p = pain   

typisch für den Schmerz bei akutem arteriellem Verschluss ist der plötzlich Beginn des Schmerzes aus vollem Wohlbefinden. Wird eine Arterie plötzlich verschlossen, so kommt es distal des arteriellen Verschlusses zu schweren Ischämie (Sauerstoffnot) mit Absterben des Gewebes und heftigem Schmerz.

Im Gegensatz zum akuten arteriellen Verschluss kann ein allmählicher Verschluss ohne Beschwerden verlaufen, wenn dem Körper genügend Zeit bleibt, Kollateralen (Umgehungskreislauf) auszubilden.

  • p = pulseless

das zweite in der Krankengeschichte geschilderte Symptome ist die Pulslosigkeit.

Wo wird bei einem Arterien-Verschluss der unteren Extremität der Puls getastet?

An der A. tibilalis posterior (hinter dem Innenknöchel) und an der A. dorsalis pedis (Fußrücken) ebenso in der Kniekehle (A. poplitea) und an der Leiste (A. femoralis) Bei einem Verschuss der A. femoralis sind nicht tastbar (Pulslos) die A. poplitea, A. tibialis posterior und A. dorsalie pedis.

Welche Arterien werden bei einem akuten Arterien-Verschluss am Arm palpiert?

in der Ellenbeuge (A. brachialis) und am Handgelenk die A. radialis und A. ulnaris.

  • p = pallor  (manchmal auch paleness genannt)

gemeint ist damit die ausgeprägte Blässe der Haut, wie sie auch in der Krankengeschichte geschildert ist. Nach mehreren Stunden tritt beim akuten arteriellen Verschluss neben der Hautblässe eine zyanotisch marmorierte Haut auf.

Nach welchen weiteren Symptomen (p) suchen und fragen Sie bei der orientierenden Erstuntersuchung?

  • p = parasthesia

Distal des akuten Gefäßverschluss - egal ob an Arm oder Bein - ist die Sensibilität stark verändert. Betroffen berichten über Miß-Empfindungen (Kribbeln) und bei Berührung über Schmerzen und eine gestörte Wahrnehmung der Berührung

  • p = paralysis

paralysis steht für Lähmung. Die distal nicht mehr mit Blut versorgte Muskulatur kann sich nicht richtig bewegen.

  • p = prostation

hiermit sind Symptome des Schocks gemeint, die in schweren Fällen auftreten können

Wie lagern Sie das rechte Bein in dem oben geschilderten Fall eines akuten Verschlusses der Bein-Arterien?

Das betroffene Bein muss tief gelagert werden. Hierdurch kann über einige noch intakte Seitenäste eine - wenn auch unzureichende - Rest-Versorgung ermöglicht werden. (Grob falsch ist es, das Bein hoch zu lagern!)

Welche weitere Notmaßnahme ist sinnvoll?

Das betroffene Bein wird - extrem locker - in Watte eingepackt. Steht keine Watte zur Verfügung so wird das Bein in eine weiche warme Decke gelegt.

Zusätzlich ist - wo möglich - die i.v. Gabe von unfraktioniertem Heparin sinnvoll. Kontraindiziert sind intramuskuläre Injektionen. (Dies führt bei Lyse-Therapie in der Klinik zu massiven Einblutungen)

Nur eine unverzügliche Einweisung (Blaulicht) in eine Gefäß-Klinik bietet die Chance das betroffen Bein zu retten. Bei einem embolischen Verschluss muss dieser innerhalb von 6 Stunden beseitigt sein, um die Extremität zu retten!

Im weiteren Verlauf der Examens-Fragen kommen häufiger die Begriffe Thrombose und Embolie vor:

Was ist eine Thrombose?

Eine Thrombose ist eine Blutgerinnung im Blutgefäß!  (intra vasale Gerinnung) 

Achten Sie genau auf die Definition der Thrombose: (Blutgerinnung im Blutgefäß!) Auch in einem Bluterguss (Hämatom) gerinnt das Blut. Dies ist aber keine Throbose!

Was ist eine Embolie?

Bei der Embolie wird dein "Gegenstand" in eine Arterie oder Vene verschleppt. Dies kann (am häufigsten) ein Blutgerinnsel (Thrombus) sein. Man spricht dann auch von Thrombo-Emboli. Seltener kann auch einmal Fett, Luft oder ein Parasit zu einer Embolie führen!

In obigem Fall konnte der Embolus noch gerade rechtzeitig durch operative Embolektomie entfernt werden. Warum ist dann u.a. ein EKG (eventuell Langzeit-EKG) besonders wichtig?

In einem 2. Schritt gilt es die Emboli-Quelle zu entdecken und soweit möglich auszuschalten. Rund 90 % aller Embolie, die einen akuten Arterien-Verschluss verursachen stammen aus dem linken Vorhof!  Bei Vorhofflattern und Vorhofflimmern bilden sich in den Vorhöfen Thrombosen, die in die Arterien des Körper-Kreislaufes verschleppt werden können!

Welchen Sinn hat in obigem Fall eines akuten Arterien-Verschlusses - nach Rettung des Beines - die Durchführung einer Sonografie der Aorta und der zum Bein führenden Arterien?

Als Quelle einer Embolie kommen noch weitere Ursachen in Betracht: z.B. Arterien-Aneurysmen. Diese können in der Aorta liegen, aber auch in weiter peripher gelegenen Arterien.  In den Aneurysmen (Gefäß-Aussackungen) bilden sich infolge eines verwirbelten Blutstromes Thrombosen.

Diese können jederzeit abgeschwemmt werden und zu einer Embolie weiter peripher führen!

 

Überprüfen Sie Ihr Wissen mit: multiple Choice Fragen (MC-Fragen) zur Krankheitslehre Blutgefäße