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Ikterus (Übersicht)

Was ist ein Ikterus?

Unter einem Ikterus versteht man die gelbliche Verfärbung der Haut, der Schleimhäute und der Lederhaut des Auges, der Sklera.

Diese Gelbverfärbung kommt zustande, wenn der Gallenfarbstoff - das ist das Bilirubin - aus dem Blut in das Körpergewebe übertritt.

Wie hoch ist der normale Bilirubin-Wert?

Normalerweise ist Bilirubin in einer Konzentration von etwa 1 mg/dl im Blut gelöst.

Ab welchem Bilirubin-Wert kann man bei Untersuchung einen Ikterus erkennen?

Ein Ikterus ist an den Skleren bei einem Bilirubin von etwa  2 mg/dl erkennbar,

Ab welchem Bilirubin-Wert kann man bei Untersuchung einen Ikterus an der Haut eines Kranken erkennen?

Ein Ikterus ist an der Haut - zumindest bei heller Haut - etwa ab einem Bilirubin-Wert von 5 mg/dl als Gelbfärbung zu erkennen.

Ein Ikterus kann aber auch einmal vorgetäuscht werden durch Farbstoffe in Medikamenten oder Karotten (Karotten-Diät)

Was ist das Bilirubin?

Ikterus GallenwegeDas Bilirubin gibt der Gallenflüssigkeit die charakteristische grüne Färbung. Das Bilirubin entsteht als Abfallprodukt des Hämoglobins.

Die Abb. zeigt Leber, Gallenblase und Gallenwege.

Das Bilirubin gelangt über die Gallenweg in das Duodenum

 

Kurz zur Erinnerung:

Wie heißt der rote Blutfarbstoff? (der Sauerstoffträger in den Erythrozyten)

Im Inneren der Erythrozyten befindet sich als Sauerstoffträger das Hämoglobin.

Wie alt werden die Erythrozyten?

ErytrhozytenNach etwa 120 Tagen ist die Lebensspanne der Erythrozyten abgelaufen

Wo werden schwerpunktmäßig überalterten roten Blutkörperchen abgebaut?

Die Erythrozyten werden in der Milz abgebaut. Das Hämoglobin der Erythrozyten wird frei.

Alte Erythrozyten - Abb. links - können sich in den dünnen Kapillaren der Milz nicht ausreichend verformen und werden dort zerstört. Das Hämoglobin wird frei!

Was geschieht mit dem aus den abgebauten Erythrozythen frei werdenem Hämoglobin?

Das Hämoglobin wird weiter abgebaut und es entsteht Bilirubin. Dieses Bilirubin, das unmittelbar nach Abbau des Hämoglobins entsteht, ist nicht wasserlöslich. Es wird auf dem Blutweg mittels eines Eiweißes - einem Albumin - zur Leber transportiert.

Wie nennt man dieses an Albumin gebundene nicht wasserlösliche Bilirubin?

Dieses an Albumin gebundene Bilirubin nennt man, weil es nicht direkt wasserlöslich ist, auch indirektes Bilirubin.

Das im Blut mit Hilfe eines Albumins transportierbare Bilirubin gelangt zur Leber. Wie verläuft der Stoffwechsel des Bilirubins weiter?

In der Leber wird das Albumin vom Bilirubin abgetrennt. Die Leber verbindet nun das Bilirubin mit Glukuron-Säure. Das an die Glukuron-Säure verbundene, das konjugierte Bilirubin, ist nun wasserlöslich. Es kann direkt in die Gallenflüssigkeit gelangen und über die Gallenwege in den Zwölffingerdarm.

Einen ganz kurzen Einschub an dieser Stelle: Die Galle wird in der Leber gebildet. Sie wird über mehrere Ausführungsgänge in den Dünndarm gelenkt. Die Gallenblase ist dabei lediglich der Vorratsbehälter. Sprechen wir von Galle, so ist immer die Gallenflüssigkeit gemeint.

Welche Aufgabe hat die Galle?

Im Darm dient die Galle dazu, die Fette zu emulgieren. Stellen Sie sich einen riesigen Fettfleck auf einer Suppe vor. Käme eine geringe Gallenmenge hinzu, so würden aus einem riesigen Klecks Fett  viele kleine Fetttröpfchen, das ist mit dem Begriff „die Galle emulgiert die Fette“ gemeint. Die Fette werden in kleine Tröpfchen zerlegt und sind dann für fettspaltende Enzyme angreifbar.

Was geschieht mit dem Bilirubin das über die Galle in das Duodenum (Zwölfingerdarm) gelangt?

Ist das Bilirubin über die Gallengänge einmal in den Dünndarm, korrekt in das Duodenum, gelangt, so wird es weiter verstoffwechselt.

Etwa 80 % des Bilirubins werden in Sterkobilinogen umgebaut . Dies gibt dem Stuhl die charakteristische braune Färbung.

20 % des Bilirubins werden rückresorbiert und erneut verstoffwechselt. Es entsteht Urobilinogen. Das Urobilinogen wird über die Niere ausgeschieden.

Ein normaler Urobilinogengehalt gibt dem Urin die charakteristische leicht gelbliche Färbung.

Halten wir an der Stelle noch einmal ein, und wiederholen die wichtigsten Dinge.

Es beginnt alles mit dem Absterben der Erythrozyten. In der Milz werden sie abgebaut, das Hämoglobin wird frei, es entsteht aus Hämoglobin Bilirubin.

Dieses Bilirubin wird an Albumin gebunden. Es ist nicht direkt in Wasser löslich. Es wird daher auch indirektes Bilirubin genannt. In der Leber wird das Albumin abgetrennt und das Bilirubin mit Gallensäuren konjugiert.

Dieses Bilirubin ist direkt wasserlöslich, es wird konjugiertes Bilirubin oder direktes Bilirubin genannt. Dieses Bilirubin gelangt in die Galle.

Die Galle geht über die Ausführungsgänge in das Duodenum. Dort wird aus dem Bilirubin das Sterkobilinogen. Dieses gibt dem Stuhl die charakteristische bräunliche Färbung. Ein Teil des Bilirubins, etwa 20 %, wird rückresorbiert und erneut verstoffwechselt.

Es wird durch die Niere als Urobilinogen ausgeschieden. Der Urin erhält hiervon seine leicht gelbliche Färbung.

Der Normalwert des Bilirubins beträgt 1 mg/dl.

Ein Ikterus ist an den Skleren bei einem Bilirubin von etwa  2 mg/dl erkennbar, an der Haut, bei heller Haut etwa ab 5 mg/dl.

Im Stoffwechsel des Erwachsenen entstehen circa 300 mg Bilirubin täglich.

Rund 80 % dieser Menge entsteht aus dem Abbau und Umbau des Häms (also aus den Erythrozyten). 20% Bilirubin entsteht aus dem Abbau von Myoglobin (Muskel-Eiweiß) und Leberenzymen.

Mit diesen Kenntnissen sind wir jetzt in der Lage, die verschiedenen Formen des Ikterus zu verstehen.

Liegt die Ursache des Ikterus vor der Leber, so spricht man vom prähepatischen Ikterus.

Liegt die Ursache in der Leber vom intrahepatischen Ikterus,

Liegt die Ursache im Abfluss der Galle, also in den Gallenwegen oder an der Mündungsstelle der Gallenwege im Duodenum, so spricht man vom posthepatischen Ikterus.

zur Kontrolle und Vertiefung des Gelernten: multiple Choice Fragen zum Ikterus